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6 Tipps, wie man gutes Feedback geben und annehmen kann

Feedback

Das Wort Feedback fällt, und ein gewisses Unwohlsein breitet sich aus. Klingt das bekannt? Obwohl Feedback eigentlich dazu da ist, einem zu helfen sich zu verbessern und zu entwickeln, wird es häufig einzig und allein als Kritik aufgefasst und als negativ aufgenommen.

Konstruktives Feedback sollte die persönliche Entwicklung fördern und die Beziehungen in einem Team festigen. Es sollte schlussendlich dazu beitragen, dass Spannungen abgebaut werden und ein positive Arbeitsumfeld voll von Lernen und Entwicklung entstehen kann. Doch trotzdem zucken viele zusammen und nehmen eine defensive Haltung ein, wenn es darum geht Feedback zu erhalten. Und es scheint ebenso wenig das Lieblingsthema der Feedback-Geber zu sein. Oft fühlen sich die Geber von Feedback unsicher und bevorzugen schwierigeren Konversationen mit einem einfachen “Gut gemacht!” aus dem Weg zu gehen. Aber wie kommt es, dass der vermeintlich beste Freund Feedback sich so oft als Albtraum entpuppt?

Schwierigkeiten mit Feedback

Angst und Bedrohung.

Läutet Feedback oder die Aussicht darauf schon Alarmglocken bei Dir? Das liegt daran, dass wir es als Bedrohung unseres Selbstwertgefühls, unserem Zugehörigkeitsbedürfnis und unserem positiven Identitätsbewusstsein wahrnehmen. Wenn wir uns bedroht fühlen hat unser Gehirn die natürliche Tendenz in dem Kampf-oder-Flucht-Modus zu gehen. Zusätzliche Hormone werden ausgeschüttet, welche unsere Emotionen befeuern und uns dazu verleiten eine aggressive oder abwehrende Haltung einzunehmen. Das macht es nahezu unmöglich für uns, aufnahmefähig für Feedback zu sein, was die Situation wiederum ebenso unangenehm für den Feedback Geber macht.

Negativity Bias.

Ein weiteres Problem, das mit Feedback assoziiert wird ist der sogenannte Negativity Bias. Dieser evolutionsbedingt Bias stammt aus Tagen, in welchen Menschen noch tagtäglich um ihr Überleben kämpfen und stets wachsam vor möglichen Gefahren sein mussten. Hierdurch erinnern wir uns besser an negative Erfahrungen als an positive. Dies bedeutet, dass wir auch nach einer außerordentlich langen Liste an Komplimenten, den einen kleinen Fehler deutlich besser in Erinnerung behalten. Das wiederum führt dazu, dass wir schlussendlich Feedback eher mit dieser kleinen negativen als der gesamtheitlichen Erfahrung verknüpfen.

Semantische Prosodie.

In unserer alltäglichen Sprache verknüpfen wir häufig eigentlich neutrale Wörter mit positiven oder negativen Assoziationen. Dies geschieht auf Basis ihres häufigen Erscheinens mit bestimmten gängigen Wortverbindungen. Denkt man beispielsweise an das Wort “Einwanderer”, sehen und assoziieren wir dieses häufig mit dem Adjektiv “illegal”. Dies führt zu einer negativen Assoziation. Und das obwohl das Wort an sich so neutral ist wie die meisten anderen Wörter im Wörterbuch. Dasselbe gilt für das Wort “Feedback”. Obwohl es ein eigentlich harmloses Wort ist, ruft es doch häufig negative Assoziationen bei vielen hervor.

Diese und ähnlich Schwierigkeiten treten auf, wenn man Feedback geben oder auch annehmen soll. Um diese zu überwinden, hat Workpath 6 hilfreiche Tipps gesammelt, mit welchen man gutes Feedback geben und annehmen kann.

Feedback geben

Feedback geben

1. Achte auf Deine Wortwahl.

Wie oben erwähnt, kann sich die Bedeutung des Gesagten durch Phänomene wie semantische Prosodie ohne jegliche Intention schnell verändern. Du solltest daher achtsam dabei sein wie du Dein Feedback formulierst. Es kann beispielsweise hilfreich sein, das Wort “Feedback” zu umgehen und stattdessen Wörter wie Ratschlag oder Tipp zu verwenden. Zudem sollte man darauf achten Wörter wie “aber”, “jedoch” oder “allerdings” zu verwenden, wenn positives gemeinsam mit negativem Feedback gegeben wird. Das Feedback mit solchen Wörtern zu verbinden, kann häufig dazu führen, dass das positive Feedback als unehrlich wahrgenommen wird. Denke darüber nach, Alternativen wie “Zunächst …, des Weiteren…” o.ä. Zu verwenden, um zu demonstrieren, dass positives und negatives Feedback gleich gewichtet sind.

2. Beobachtungen anstatt Verallgemeinerungen.

Versuche Dein Feedback auf Beobachtungen und Fakten anstatt Wertungen zu basieren. Spezifische Beispiele von Situationen, welche du beobachtet hast werden dem Empfänger des Feedbacks dabei helfen, sich an die genannte Situation zu erinnern und das Feedback als neutraler, objektiver und verständlicher wahrzunehmen. Die Aussage “Im letzte Team Meeting hast du Anna während ihrer Präsentation unterbrochen, um deine Gedanken hinzuzufügen” wird es dem Empfänger in der Regel einfacher machen sich an die genannte Situation zu erinnern und dem Feedback Geber zuzustimmen als wenn dieser ihm schlicht sagt, dass er seine Mitmenschen immer unterbricht. Diese Art des Framings wird es dem Empfänger zudem einfacher machen, umsetzbare To-Dos wie “Lass Deine Teammitglieder ihre Präsentationen in Meetings beenden, bevor Du eigene Gedanken hinzufügst” abzuleiten.

Neben dem Fokus auf Beobachtungen anstatt Verallgemeinerungen, sollte man sein Feedback zudem am verhalten und nicht etwa der Persönlichkeit des Feedback Empfängers ausrichten.  Durch das Verwenden von Verben anstatt Adjektiven wird dies gefördert. “Du hast Anna unterbrochen” wird für den Empfänger ein objektiveres und konkreteres Verständnis schaffen als die Aussage “Du bist unhöflich und rücksichtslos”.

3. Betone die Wichtigkeit.

Zu betonen, dass ein bestimmtes Verhalten einen Einfluss auf Dich oder andere hatte, zeigt dem Empfänger die Wichtigkeit des Feedbacks auf.  “Nachdem Du Anna unterbrochen hast, wusste sie nicht, von wo sie weitermachen sollte und war verunsichert” zeigt dem Empfänger deutlich, dass das gefeedbackte Verhalten die Leistung anderer beeinträchtigt hat.

4. Versetze Dich in ihre Lage.

Versuche Dir, die umgekehrte Situation vorzustellen. Wie würdest Du reagieren, wenn Deine Kollegen Dir dasselbe Feedback geben würde? Der versuch sich in die andere Seite einzufühlen, wird Dir dabei helfen, Dein Feedback durchdachter und aufmerksamer zu gestalten. Beachte jedoch, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und dass manche beispielsweise sensibler sind als andere. Um einen Schritt weiterzugehen, frage selbst nach Feedback, nachdem Du Deines gegeben hast. Dies zeigt Deinem Gegenüber, dass Du offen gegenüber Ratschlägen bist und Du seine Meinung wertschätzt. Dies hilft dabei, sich mit dem Gegenüber gleichzustellen.

5. Feedback auf Augenhöhe geben.

Versuche, Deinem Gegenüber rüberzubringen, dass ihr auf einem Level gegenseitigen Respekts interagiert. Sei Dir im Klaren darüber, dass Du über Deine Beobachtungen und Meinungen redest und, dass andere möglicherweise andere Perspektiven vertreten, welche ebenso valide sind. Versuche zu verstehen, dass ihr beide daran arbeitet von und aus der Interaktion zu lernen.

6. Mach es umsetzbar.

Konkrete Ansätze zur Verbesserung werden es anderen leichter machen, Dein Feedback anzunehmen. Umsetzbare Vorschläge, wie Dinge anders gemacht werden können, verwandeln Dein Feedback für den Empfänger in echte Möglichkeiten zur Weiterentwicklung.

Feedback annehmen

Feedback annehmen

1. Verstehe Dein Unbehagen.

Wie bereits genannt, hat unser gehirn die natürliche Tendenz in den Kampf-oder-Flucht-Modus zu wechseln, wenn es Gefahr erkennt. Dieses Verhalten ist völlig normal. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt, das Unbehagen zu überwinden. Sobald Feedback nicht mehr als negativ angesehen wird, kannst du Dein Gehirn davon abhalten, diese Art von Reaktionen herbeizuführen. Versuche Dir ins Gedächtnis zu rufen, dass Du Feedback mit guter Intention entgegen treten und eine solche auch von Feedback-Gebern erwarten kannst.

2. Erkenne die Möglichkeit zur Entwicklung.

Bevor Du Feedback erhältst, erinnere Dich daran, welche Fähigkeiten Du verbessern oder entwickeln möchtest und versuche dann das Feedback diesen Zielen zuzuordnen. Versuche herauszufinden, welche Strategien du aus dem erhaltenen Feedback ableiten kannst, welche Dir dabei helfen, Deine Ziele zu erreichen. Erinnere Dich, dass Feedback eine Möglichkeit für Dich ist, dein Verhalten von der Sicht eines Aussenstehenden und damit einer neuen Perspektive zu betrachten. Dies kann dir möglicherweise dabei helfen, eine bessere Version Deiner Selbst zu gestalten.

3. Follow up.

Wenn Feedback nicht konkret ist, ist es nicht konstruktiv. Denke erneut an das oben genannte Beispiel, bei welchem der Feedback-Geber sagte “Du bist unhöflich”. Ein solches Feedback sagt dem Empfänger weder etwas darüber, welches Verhalten diese Wirkung verursacht hat noch was er tun kann, um dies zu verbessern. Wenn Du nicht verstehst, was Dein Feedback-Geber versucht Dir zu vermitteln oder wenn er so unkonkret ist wie im genannten Beispiel, verwende Folgefragen. Du kannst beispielsweise fragen “Was könnte ich anders machen?” oder “wie kann ich mich verbessern?”. Dies wird Dir dabei helfen, das Gespräch zurück zu den Fakten zu bringen und das erhaltene Feedback in ein konstruktives zu verwandeln. Zudem ist dies eine gute Strategie, wenn Du das Gefühl hast, dass sich das Gespräch auf einem zu persönlichen oder emotionalen Level befindet.

4. Erinnere Dich an Deine Autonomie.

Denke daran, dass Du als Empfänger des Feedbacks Kontrolle darüber hast, wie das Follow-up gestaltet wird. Du bist dazu eingeladen, das Feedback anzunehmen und in Betracht zu ziehen und entsprechende Veränderungen in einem Umfang und zu einem Zeitpunkt zu machen, welcher Dir angemessen erscheint.

5. Gewinne Erkenntnisse.

Wiederhole und überdenke, was genau dein Manager oder Kollege an Deinem Verhalten mochte oder nicht mochte. Gibt es etwas, dass Du tun kannst, um dieses geschätzte Verhalten zu wiederholen oder es auf andere Situationen zu übertragen? Oder ist ein gewisses Verhalten wie das Öffnen des Laptops während Meetings gegebenenfalls ein Verhalten, welches Du fallen lassen könntest, um höflicher zu wirken? Versuche konkrete Erkenntnisse aus dem Feedback zu gewinnen, welches Du erhältst. Insbesondere, wenn Du Feedback in verschiedenen Situationen oder unterschiedlichen MItarbeitern bekommst, kannst Du nach Mustern Ausschau halten. Wiederholt sich ein bestimmter Aspekt immer und immer wieder, ist es wahrscheinlich sinnvoll dem nachzugehen, welche Learnings du aus dem Gesagten ableiten kannst.

6. Akzeptiere positives Feedback.

Ein abschließendes Problem, welches viele Leute mit Feedback haben, ist auch Lob und Komplimente anzunehmen. Eine Menge Mitarbeiter weisen die Tendenz auf positives Feedback abzuwehren oder herunterzuspielen. Das Annehmen solchen Feedbacks durch die Anerkennung der eigenen Arbeit kann jedoch dabei helfen Selbstvertrauen aufzubauen und die eigene Leistung weiter voranzutreiben. Daher sollte man sich für positives Feedback einfach bedanken, anstatt die eigene Leistung kleinzureden.

Zusammenfassung

Feedback ist ein komplexes Konzept, bei welchem verschiedenen Meinungen, Emotionen und Persönlichkeiten zusammenkommen und aufeinander einwirken. Um wirklich das Vertrauen und die Offenheit aufzubauen, welche für eine gute Feedbackkultur notwendig ist, muss Feedback daher geübt werden. Organisationen sollten daher versuchen Feedback zur Gewohnheit zu machen indem es an jedes Projekt oder sogar Präsentation angegliedert wird.

Training und Gewöhnung werden dabei helfen, Vertrauen auf und Unbehagen abzubauen. Zudem sollte man sich immer wieder daran erinnern, dass Feedback dazu da ist, einem zu helfen und nicht zu schaden. Rufe Dir ins Gedächtnis, dass in den meisten Fällen nur gute Intentionen hinter Feedback stecken. Wird das effektive Kommunizieren und Annehmen von Feedback gelernt, kannst Du Dir selbst und deinem Team dabei helfen, professionell zu wachsen, Arbeitskonflikte aufzulösen und die Leistung Deines Teams zu steigern.

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